Neue Musik im Stadthaus Ulm

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(Photo Stadthaus Ulm: Martin Duckek)

 

 

Die Reihe „neue musik im stadthaus ulm” wurde im März 1996 mit einer Hommage an John Cage aus der Taufe gehoben. Unter der künstlerischen Leitung von Jürgen Grözinger fand das Festival in den ersten sechs Jahren jeweils im Frühjahr und im Herbst statt, seit 2003 wird das Festival nur noch einmal jährlich im Frühjahr veranstaltet.

Die Kombination von zeitgenössischer Architektur und moderner Musik mit einem ungewöhnlichen Programm, herausragenden Musikern und einem festen Ensemble haben in den 14 Jahren seit Bestehen der Konzertreihe zu einem überregional bedeutenden Festival für neue Musik beigetragen. Experimentelle Formen aktueller Klangkunst und innovative Strömungen der Gegenwart in Verbindung mit Kompositionen des 20. und 21. Jahrhunderts erhielten durch diese Initiative erstmals deutliche Präsenz im Kulturleben der Stadt. Das Konzept ist, Neugier zu wecken für aktuelle Musik und dabei ihre Ursprünge und Strömungen der vergangenen hundert Jahre aufzuspüren, dazu ein spannungsreiches Programm aufzubauen mit neuen Werken und aktueller Club-Musik unter Einbeziehung von Film, Literatur und Medienkunst.

Das ausgefallene Repertoire mit Uraufführungen, deutschen und europäischen Erstaufführungen und Wiederentdeckungen reicht von Klanginstallationen über Kammermusik bis hin zu orchestralen Aufführungen. Seit Bestehen des Festivals wurden zehn Uraufführungen gespielt, zwei gab das Stadthaus in Auftrag, drei Kompositionsaufträge wurden vom Deutschlandfunk an Jürgen Grözinger vergeben.

 

Programmarchiv 1996-2010

durch Clicken auf die Bilder erscheinen die vollständigen Programmflyer

(please click on pics to view complete program of each festival)

 


19. – 29. März 1996

HOMMAGE AN JOHN CAGE

u.a. mit H.K. Metzger und dem Wandelweiser Komponistenensemble.

Nov. 1996

RUSSISCHE MODERNE

Fokus auf Komponistinnen u.a. Porträt Galina Ustwolskaja.

11. – 16. März 1997

CROSSING OVER

u.a. mit dem Michael Riessler Ensemble

08. – 09. Nov. 1997

ZEITLOS

Franz Schubert in der Musik des 20. Jahrhunderts
Kompositionen u.a von W.Rihm, M.Feldman
D.Schnebel (Solistin),  Angela Denoke (Sopranistin)

März 1998

MAGIE DES KLANGS

Magie des Klangs im Zentrum Komponistenporträt Giacinto Scelsi

14. – 15. Nov. 1998

FILMKLÄNGE

u.a.Rihm, Eisler, Schnittke und LiveMusik von Violeta Dinescu zu Murnaus „Tabu“.

19. – 20. März 1999

SURREAL

Momente zwischen Sprache und Musik.
Debussy / Schwitters / Schönberg / Rihm / Scelsi / Cage

23. – 30. Okt. 1999

RAUMZEIT - ZEITRAUM

im Fokus französische „Spektralisten“, Porträt Gérard Grisey Mitwirkung der Komponistin Adriana Hölszky.

01. – 05. Apr. 2000

MAKING MUSIC

MusikTheaterInstallation von und mit Komponist Sandeep Bhagwati.

26. – 28. Okt. 2000

MINIMAL

Klassische Minimal Music und Remixe / Wege von Reduktion und
Repetition in der Musik

18. – 19. Mai 2000

DANCE

Tanzmusik – von Milhaud und Tango-Ästhetik zu moderner Club-Musik

07. – 18. Oktober 2001

THE AMERICAN WAY

Panorama amerikanischer Musik von Charles Ives bis John Zorn;
europäische Erstaufführung eines Kammermusikwerks von Henry Cowell; Uraufführung der unter dem Eindruck von 9/11 entstandenen Konzertinstallation „Men“ des New Yorker Komponisten David Lang, der persönlich in sein Stück einführte.

12. – 13. Apr. 2002

ITALIA

Italia – Antike Räume im Innern des modernen Klangs Traditionelle Elemente in der zeitgenössischen Musik Italiens.

04. –12. Okt. 2002

SAKRALPROFAN

Erfahrung von Musik im geistlichen und weltlichen Raum in Kooperation mit dem Ulmer Münster, Komponistenporträt Jay Schwartz.

06. – 11. Mai 2003

ORIENT OKZINDENT

Versuch einer musikalischen Annäherung, u.a. Mitwirkung des Komponisten Klaus Huber, Komponistenporträt Frangis Ali-Zadeh.

Mai 2004

KONSTELLATIONEN

Positionen und Möglichkeiten aktueller Musikproduktion, u.a. Komponistenporträt Bernd Franke; Gäste u.a. das Kairos Streichquartett.

22. – 27. Apr. 2005

DRUMMING

Rhythmus und Perkussion in der Musik des 20. Jahrhunderts mit Werken von I.Stravinsky, B.Bartók, I.Xenakis, H.Lachenmann, u.a. mit Fagottist Sergio Azzolini.

04. – 14. Mai 2006

AFRICA

Neue afrikanische Musik und Cross Culture, u.a. mit der Sängerin Michiko Hirayama und traditioneller Musik aus Guinea.

21. – 28. Apr. 2007

BALKAN

Fokus auf einen europäischen Kulturraum.

Apr. 2008

EROS

Eros und Thanatos in der abendländischen Musik vom Mittelalter bis heute, „Special Guest“ Komponist Michael Nyman / Aufführung seiner „Sonetti Lussuriosi” und Präsentation seiner Videoarbeiten.

17. – 23. Apr. 2009

STERNENNACHT

Ideen von Kosmos und Nacht in zeitgenössischer Musik;
Fokus auf die Komponisten Salvatore Sciarrino und Kaija Saariaho, John Cages „Atlas Eclipticalis“ als Konzertinstallation im gesamten Stadthaus.

24. – 25. Apr. 2010

KLANGHAUS

Das Stadthaus Ulm als Ort zeitgenössischer Musik in seinem 15. Jahr „neue musik im stadthaus ulm“.

Apr. 2011

THE LAST ECHO OF FEELING

(derzeit in Planung)
 

Statements zum Festival

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EMP & Michael Nyman nach der Aufführung seiner "Sonneti Lussuriosi" während des Festivals "EROS"

 

„Mindestens zwei Dinge waren bemerkenswert an der Aufführung meiner „Sonetti Lussuriosi“ in Ulm: zum einen, dass es Jürgen Grözingers gewagt hat, ein so kontroverses Stück ins Programm zu nehmen, zum anderen und noch bemerkenswerter, dass die Aufführung durch das European Music Project meine kühnsten Hoffnungen übertroffen hat. Ich freue mich darauf, mit diesen Musikern bald wieder und so oft wie möglich zusammen zu arbeiten.“

Michael Nyman, Komponist, London. Oscar- Nominierung und Goldene Palme für die Filmmusik zu ‚Das Piano’.

 

„Das Festival neue Musik im Stadthaus ist in seiner Konzeption und seinem Profil einzigartig in der Festivallandschaft, vor allem, da der Ort der Veranstaltung, das moderne Stadthaus, vis-a-vis zum Münster gelegen, und die erfrischende kreativeProgrammgestaltung sich gleichsam synergetisch gegenseitig verstärken.“

Frank Thoenes, Solo-Kontrabassist der Norddeutschen Philharmonie Rostock.

 

„Die Konzerte zeitgenössischer Musik machen erfahrbar, wie sich Ideen des Raumes,Musik und Architektur aufeinander beziehen können.Ich hoffe, dass diese Konzerte noch lange im Stadthaus zu hören sein werden.“

Richard Meier, Architekt, New York. Pritzker-Preisträger und Erbauer des Stadthaus Ulm.

 

„An die Aufführung meiner Musik im Stadthaus Ulm erinnere ich mich gerne. Das Publikum war toll und, natürlich, es ist ein wunderschönes Gebäude.“

David Lang, Komponist, New York. Pulitzer Preis für Musik.

„Die neue Musik im Stadthaus ist ein erfreulich undogmatisches und spannendes Unternehmen, das sich einen hervorragenden Namen gemacht hat und in ganz Deutschland wahrgenommen wird.“

Moritz Eggert, Komponist, Pianist, Autor, Festivalleiter, München.

 

Über das Festival „neue musik im stadthaus ulm” wurde bisher regional wie überregional äußerst positiv berichtet. Neben der lokalen Presse berichtet regelmäßig die „Zeitschrift Neue Musik“ über das Ulmer Festival und zum Beispiel war auch in der Augsburger Allgemeinen, dem Memminger Kurier, den Reutlinger Nachrichten, der Ludwigsburger Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über das Festival zu lesen. Auf die Konzertreihe wird hin und wieder auch im Magazin Der Spiegel, Veranstaltungskalender Kultur, hingewiesen und regelmäßig ist das Festival im Kulturkalender Baden- Württemberg gelistet. Die Konzerte wurden und werden von den Rundfunkanstalten SDR, SWR, BR und Deutschlandfunk mitgeschnitten. Von einigen Konzerten wurden CD-Produktionen unter dem renommierten Label WERGO herausgebracht. Umfangreiche Programmhefte und Flyer informieren jeweils einige Wochen im voraus detailliert über das kommende Festival.

 

„Das Festival ‚neue musik im stadthaus ulm‘ hat sich zu einer qualitativ verlässlichen Größe in Sachen neuer Musik in der Region entwickelt und ist als kulturelle Preziose aus der Stadt kaum mehr wegzudenken.“

Neue Zeitschrift für Musik

„Diese Konzerte haben überregionale Klasse, sind keineswegs elitär, stellen unbekannte Klangwelten vor und öffnen die Ohren.“ Südwest Presse Ulm

„Makellose Interpretationen neuer Ideen der modernen Musik, die sich in keine Schublade pressen lassen wollen – wer nicht dabei war, hat wirklicht etwas verpasst.” Neu-Ulmer Zeitung

„Ein Geschenk, nicht weniger, das war der finale Abend der Sternennächte, die eigentlich ob der dort gebotenen Qualität weit über Ulm und die Region hinausstrahlen sollten.“ Südwest Presse Ulm

 

„Das was Jürgen Grözinger tut, ist doch, abseits des Mainstream zu versuchen, ein Publikum anzusprechen, das nicht zum engeren Kreis der Neue-Musik-Hörer gehört. Das gelingt ihm außerordentlich gut. Ulm ist fernab jeden Zentrums zeitgenössischer Musik gelegen. Es ist umso erstaunlicher, dass das in so außergewöhnlicher Weise funktioniert, dass er trotz vieler Schwierigkeiten und Kürzungen das Festival in Ulm über einen so langen Zeitraum aufrecht erhalten kann - und eben ein Publikum anspricht, das ich sonst in Konzerten zeitgenössischer Musik - und ich besuche da sehr viele - nicht antreffe.“

Rolf W. Stoll, Neue Zeitschrift für Musik/Schott-Musik/WERGO

 

“Grözinger setzt auf die Unmittelbarkeit musikalischer Erfahrung, auf Transfers, die sich aus dem programmatischen Zusammenhang erschließen. Er spannt Bögen zwischen verschiedenen Gattungen, Zeiten, ästhetischen Ideen, Philosophien.

Der Raum ist immer präsent in den Konzeptionen des Festivals. Wichtig auch: Raum und Musik sollen sogar körperlich erfahrbar sein. Für das Festival gilt: Sinnlichkeit ist nicht das Ende intellektueller Musik, sondern der Anfang!

Grözinger will junges Publikum mit einbeziehen und die Steifheit und Distanziertheit des Konzertbetriebs überwinden.

Aufgelöst wird die hierarchische Sitzordnung, die Strenge der bürgerlichen Konzertform, die ja auf das ausgehende 18. Jahrhundert, spätestens das 19. Jahrhundert zurückgeht. Stattdessen besinnt sich Grözinger auf freier angelegte Präsentationsweisen, wie sie in den Jahrhunderten zuvor üblich waren und überträgt sie in die Gegenwart. Eltern mit Kindern sitzen da auf Hockern, Besucher betrachten das Instrumentarium, Man kommt mit Interpreten in Kontakt – die Lounge als Ort der Kommunikation.“

Rainer Schlenz SWR 2 /Deutschlandfunk